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Dieser Artikel ist auch erschienen auf www.riskiereundgewinne.de im Rahmen einer Blogparade zum Thema ‘bedingungsloser Selbstausdruck’.

Erst neulich passiert es wieder:
Ich kaufte ein im Supermarkt und sah einen jungen Vater mit Frau und Kinderwagen. Die Dame an der Fleischtheke fragte ihn, ob er etwas wolle, da er nicht eindeutig direkt vor der Fleischtheke stand und er grummelte ihr ein mürrisches ‘Ja sonst würde ich nicht hier stehen!’ entgegen.

Ich erschrak innerlich und wunderte mich echt, wieso dieser junge Familienvater so mürrisch war. Konnte er nicht einfach höflich ‘Ja, gerne!’ antworten? Ok, Weihnachten war gerade vorbei, vielleicht hatte das Kind ihn und seine Frau die ganze Nacht wach gehalten, vielleicht hatte es eine Diskussion in der Familie gegeben, wer weiss schon, was die Anderen bewegt.
War ich einfach nur höflich erzogen und beschäftigte es mich deswegen?

Ich dachte an einen frühen Abend Ende November als ich Briefmarken am Automaten ziehen wollte. Ich fragte das Pärchen vor mir, ob sie denn anstünden, da mir nicht klar war, ob sie selbst Briefmarken brauchten oder der Frau vor ihnen beim Ziehen der Marken halfen. Die Frau vor ihnen drehte sich beim Gehen zu mir und blaffte mich an ‘Drinnen beschweren Sie sich ja auch nicht, dass Sie anstehen müssen’.
Ich ignorierte sie.
Das Pärchen vor mir lächelte mir zu und sagte ‘Machen Sie sich nichts draus, die Dame war etwas sonderbar’.

Oder als wir bei Freunden grillten und eine Freundin nach dem Rezept für einen selbstgemachten Dip fragte. Ihr Mann antwortete postwended: ‘Das kriegst DU eh nicht so hin!’

Wie Du siehst, mein Repertoire an Beispielen scheint endlos. Es erschreckt mich.

Warum sind wir nur alle so schnell auf 180 und blaffen einander an? Sind wir Menschen so und ich wurde einfach nur anders erzogen oder haben wir in der Tat -zumindest in Deutschland- ein Problem?

Weisst Du, ich glaube daran, dass Menschen sich so verhalten, wenn sie unzufrieden sind.
Dann erscheint Dir jede Kleinigkeit nervig, dann erinnert Dich alles an Deine eigene Unzufriedenheit, dann kann es Dir keiner Recht machen. Manchmal weisst Du aber einfach nicht, wie Du die Dinge ändern kannst. Du bist bequem, Du hast Angst vor Veränderung. Und wenn Du genau hinsiehst ist auch alles gar nicht so schlimm. Schliesslich muss man ja mindestens 9-to-5 arbeiten, um Brötchen zu verdienen. Schliesslich kannst Du Deinen Partner nach all den Jahren nicht einfach so verlassen. Schliesslich musst Du nehmen, was Du kriegen kannst, denn nichts ist umsonst. Schliesslich….

Oder?

Ich stelle mir vor wie Du lernst Dich selbst auszudrücken, selbstbestimmt zu leben und Verantwortung für das zu übernehmen, was Dir wichtig ist. Das kann beruflich sein, das kann ein Hobby sein, ein Ehrenamt, aufgesparter Urlaub für Deine Traumreise… Was auch immer.
Vielleicht reicht dafür einmal im Jahr, vielleicht brauchst Du einen neuen Job, den Du täglich machen kannst. Du allein weisst, durch welche Tätigkeit Du Dich selbst ausdrücken und Dein volles Wesen zeigen kannst.
Kein Aufschieben, keine Ausreden, kein ‘Ich kann das aber nicht’, kein ‘Aber das wurde doch immer schon so gemacht’.

Ich glaube daran, dass wir alle zufriedener und erfüllter leben, wenn wir dem folgen, was uns in die Wiege gelegt wurde.

Leider haben wir gelernt viele unserer Talente danach zu bewerten, ob sie Geld einbringen oder ob sie ‘Sinn’ machen.
Wir haben teilweise verlernt Dinge zu tun, weil sie uns erfüllen. Den ganzen Tag machen, was uns Spaß macht? Das geht doch nicht. Das wäre ja Luxus und dekadent! Selbstausdruck und -verwirklichung? Bitte nur in der Freizeit, nachdem das Brot verdient und Leistung erbracht wurde.
Leistung, die uns oftmals so wenig Spaß macht, dass sie uns krank macht.

Ja, vielleicht kann man nicht von jedem Talent eine Wohnung bezahlen und eine Familie ernähren. Aber wenn es etwas gibt, für das Du brennst, was Dich mit Frieden und Spaß erfüllt, dann tue dies und der Erfolg wird sich einstellen! Dazu gehört Vertrauen in Deine Talente.

Woher ich weiss, was meine Mission ist?
Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Aber ich spüre meine Kraft, wenn ich Texte schreibe, die Andere inspirieren. Ich leuchte, wenn ich sehe, was ich immer wieder zustande bringe. Ich engagiere mich ehrenamtlich und fahre mit einer tiefen Zufriedenheit nach Hause. Ich arbeite Vollzeit (noch) und schreibe am Wochenende, teilweise den ganzen Tag lang an meinem Blog. Ich habe mir die Technik und Gestaltung meiner Website selbst beigebracht. Manchmal sprudeln die Ideen beim Frühstück aus mir heraus, so dass ich mein Brötchen liegen lasse und erstmal an diesem Blog basteln muss.
Ist es sinnvoll? Gibt es nicht schon genug andere Blogs? Inspiriert dies wirklich?
Keine Ahnung!
Mir geht es nicht darum mich zu messen oder demnächst Millionen hiermit zu verdienen.

Mir geht es darum, dass es mich erfüllt und glücklich macht. Es ist ein Ausdruck meiner Selbst, durch den ich auch mich Selbst immer wieder neu kennenlerne und mein Bestes Ich werde.

So zufrieden, dass ich das teilen kann. Dass ich im Supermarkt jedem Menschen freundlich begegnen kann. Dass ich manchmal sogar mehr geben kann, als mir entgegengebracht wird.
Denn wenn Du erfüllt bist und Dich selbst ausdrückst kannst Du abgeben… und inspirieren.

Jetzt Du:
Was kannst Du stundenlang tun, wobei vergisst Du die Zeit? Was hast Du als Kind gerne getan? Was wäre Dein Wunschleben? Oder gibt es mehrere?
Wenn Du auf ein Klassentreffen gehen würdest, was würdest Du alten Klassenkameraden erzählen? Wärst Du zufrieden mit Deinem Leben oder würdest Du Dir etwas anderes wünschen?
Traust Du Dich, das zu tun, was Dir Spaß macht und was ein Ausdruck Deiner Selbst ist?

Ich bin heute auf die Blogparade von Matthias Brücker zum Thema ‘bedingungsloser Selbstausdruck’ gestossen und wollte sofort mitmachen, da dies auch ein Thema ist, das mich viel beschäftigt (wie Du siehst!).
Dies ist übrigens mein 1. Beitrag in einer Blogparade und ich danke Matthias für diese Chance!

Weitere Artikel zum Thema “Bedingungsloser Selbstausdruck” findest du hier:

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10 Responses

  1. “Leider haben wir gelernt viele unserer Talente danach zu bewerten, ob sie Geld einbringen oder ob sie ‘Sinn’ machen.”

    Stimme dir da 100% zu Alexandra. Und das ist so eine feststehende kollektive Überzeugung, dass es mir auch noch schwer fällt, nicht mich so auszurichten.

    Danke für diesen Beitrag und deine Teilnahme an meiner Blogparade.

    LG

    Matthias

    • Danke, Matthias!
      Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich darüber nachdenke was die Stunden, die ich mit erfüllenden Dinge verbringe (z Bsp diesem Blog hier) umgerechnet in Stundenlohn wären. Aber ich glaube, so lange es uns auffällt und wir bewusst mit dem Glaubensmuster umgehen haben wir eine Chance auf Veränderung.
      Danke für die Blogparade und die vielen bereichernden Artikel!
      Alexandra

  2. Hallo Alexandra,
    vielen Dank für deinen Beitrag – echt wieder mal was zum Nachdenken. Ja manchmal ist es bestimmt so, dass wir mit der eigenen Situationen unzufrieden sind, nicht wissen wie wir rausfinden sollen und es dann im außen abladen.
    Die innere Fülle wieder finden und auch leben, das ist etwas Wunderschönes – seinen eigenen ganz speziellen Ausdruck 🙂 Ich glaube auch daran, dass jeder von uns einzigartig ist und dass jeder dazu bestimmt ist, sein inneres Licht leuchten zu lassen. Wir müssen keine Angst davor haben sondern wir dürfen es genießen.

    Dir ganz herzliche Grüße
    Silvia

    • Danke, Silvia (und sorry für die späte Antwort).
      Das Innere Licht zum leuchten bringen ist sicher eine der größten Aufgaben. Nicht nur das Erkennen, sondern auch das Annehmen der uns gegebenen Aufgabe…
      Viele Grüße,
      Alexandra

  3. Ein wirklich gelungener Artikel, 🙂 Genau das ist es: Sich nicht messen, nicht glauben, man müsste sich etwas verdienen, sondern sich selbst folgen und leben,was sich gut anfühlt.
    Danke dafür,
    liebe Grüße
    Caleya

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