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Dieser Artikel entstand 2015. Die Notunterkunft ist mittlerweile geschlossen.

Momentan dreht sich bei mir vieles um das Thema Engagement und commitment, das sich aus dem Englischen auch tatsächlich als selbiges übersetzen lässt.

Den vergangenen Freitag verbrachte ich zusammen mit Kollegen in der Notunterkunft für Flüchtlinge der Berliner Stadtmission und mit Flüchtlingsfamilien aus dem Haus Leo der Stadtmission.

Wir halfen am Vormittag in der Notunterkunft aus, einer Traglufthalle in der es bereits um 11 Uhr ca 30C warm war

Eine Klimaanlage wurde bisher noch nicht bewilligt, kann aber eingebaut werden, denn die Betreiberfirma hat bereits einen Testlauf gemacht.

Hier finden ca. 300 Menschen für die ersten Tage in Deutschland Platz. Die Männer sind in einer kleineren Halle direkt nebenan untergebracht, Familien und Frauen in der Haupthalle.

Täglich werden die freien Plätze an das Landesamt für Gesundheit und Soziales gemeldet, das daraufhin Menschen zur Notunterkunft sendet. Am Vormittag füllen sich die Warteplätze schnell, bevor um 12 Uhr die offizielle Neuaufnahme beginnt. Hier helfen wir an diesem Tag. Nehmen Personalien der Flüchtlinge auf und zeigen ihnen dann ihre Betten. Bis auf ein bis zwei Frauen kommen an diesem Tag nur Männer. Meistens jung.
Ich begleite zwei von ihnen zu ihrer Kabine. Der eine Kommt aus Syrien, spricht aber nicht viel Englisch, so dass ich mich nicht weiter mit ihm unterhalten kann. Der andere spricht gar kein Englisch, so dass ich nichtmal erfahre, woher er kommt.

Die ‘Kabinen’ bestehen aus ca 6-8 Betten (3-4 Hochbetten). Jeder Flüchtling erhält ein Laken, einen Kopfkissenbezug und einen Deckenbezug, dazu ein Handtuch. Die Stadtmission versucht über Spenden ausreichend Drogerieartikel bereitzustellen, sowie Kleidung, vor allem für Kinder.

Meine Kollegin und ich haben den Morgen damit verbracht im Housekeeping zu helfen. Wir gehen durch ca 15 ‘Kabinen’ und ziehen alle leeren bzw seit heute unbelegten Betten ab. Eigentlich sollen das die Flüchtlinge selbst tun, wenn sie die Notunterkunft verlassen, aber auch hier können die wenigsten Deutsch oder Englisch.

Wir prüfen Kissen, Decken und Matratzen. Müssen sie dringend gewaschen werden oder reicht ein Neubezug?

Die Schonbezüge sind oftmals fleckig und immer voller Fusseln und Haare. Leider reichen die Ressourcen nur für einen Wechsel bei extremer Verschmutzung. Haare und Fusseln müssen bleiben.

Es gibt keine Schränke, nur ein großes Regal in das die Menschen Persönliches legen können. Ein Tisch, ein bis zwei Stühle und eine Verlängerungssteckdose in der Mitte des Raumes. Handtücher werden am Hochbett aufgehängt. Manche haben sich mit dem Bettlaken eine Höhle gebaut für etwas mehr Privatsphäre.

In zwei Kabinen treffen wir auf schlafende Männer, die sich durch uns nicht stören lassen. In einer Kabine begegnet uns ein Bosnier, der mit uns Italienisch spricht. In der anderen finden wir ein Blatt mit Deutschvokabeln, die ein Pakistani sich notiert hat.

Überall liegen SIM Karten

Die meiste Zeit hallt Musik aus einer der anderen Kabinen herüber. Die Kabinen bestehen nur aus Holzwänden, sind nach oben hin offen. Ab Mittags läuft in der großen Halle Musik. Hier gibt es einen Ess- und Aufenthaltsbereich mit Kinderecke, in dem sich die meisten aufhalten, bis es zu heiss wird.

Die Traglufthalle steht auf einem Sportplatz, viele spielen draussen in der Sonne Fussball und beschäftigen die Kinder.

Um 13 Uhr ist Essenausgabe.

Die Hälfte der Arbeit wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern ausgeführt. Ohne sie wäre vieles nicht möglich

Jede Woche gibt es einen Newsletter mit Link über den man sich eintragen und eine Zeit ausmachen kann, wann man unterstützen möchte.
In Moabit fehlt es Gottseidank nicht an Freiwilligen. In anderen Bezirken sieht es anders aus.

Wir sprechen noch kurz mit Matthias Hamann, Ansprechpartner für die Traglufthalle. Er erklärt uns, dass letztes Jahr im Winter zu viele Flüchtlinge ankamen, die nicht notversorgt werden konnten. Er befürchtet dasselbe für dieses Jahr, insofern sich nichts ändert.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales vergibt Kostenübernahmen für Hostels, wenn die Notunterkünfte voll sind. Viele Hostels nehmen aber Flüchtlinge nicht auf. Im Winter mussten also Familie mit einer Kostenübernahme weggeschickt werden, auch wenn es keine anderen Unterkünfte mehr gab. Matthias Hamann hofft darauf, dass sich durch die Bewegung aus der Gesellschaft auch etwas in der Flüchtlingspolitik ändern wird.

Am Nachmittag haben wir ca 45 Personen, Familien und Einzelpersonen mit in den Zoo genommen.

Ich spreche mit zwei afghanischen Mädchen, die fast fliessend und akzentfrei Deutsch können. Sie sind seit 11 Monaten in Deutschland und seit fünf Monaten in der Schule. Ihre Mütter können kein Deutsch oder Englisch.

Die Stimmung ist ausgelassen, das Wetter gut, die Familien freuen sich. Dafür brauchen wir Gottseidank keine Sprache

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2 Responses

  1. Huhu liebe Alex, wie schön, dass ihr euch für einen Tag engagiert habt! Habt ihr das selbst organisiert? Wer sich in HH projektweise engagieren will, kann das mit Hilfe von tatkräftig – Hände für Hamburg tun! Wir arbeiten daran, das Konzept in andere Städte zu bringen! 😉 Liebe Grüße!

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