Warum schmerzt Trauer so sehr?
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Warum schmerzt Trauer so sehr?

Warum schmerzt Trauer so sehr?

Heute wird die Trauer laut: Der 25. März steht unter dem Motto „Alle reden über Trauer“. Silke Szymura von „In lauter Trauer“ hat heute auf den Tag genau ihren Partner verloren. Sie möchte ermutigen über Trauer zu reden, Gefühle auszudrücken, Trauernden zuzuhören, nicht vor dem Tod zurückzuschrecken.
Und ich rede heute mit.

Warum schmerzt die Trauer so sehr?

Das lässt sich eigentlich ganz leicht beantworten: Trauer ist Liebe, die ihr „Objekt“ nun nicht mehr lieben kann. Sie kann es schon, aber es gibt eben keine aktive Erwiderung der Liebe mehr. Und es wird sie auch nie wieder geben.

Gleichzeitig verlieren wir eine Person, mit der wir viel Zeit verbracht, vielleicht sogar zusammen gelebt haben. Wir verlieren einen Menschen, der uns viel beigebracht hat, der für uns da war, mit dem wir gelacht und geweint haben.

Trauer ist also gleichzeitig ein „Ablösungsschmerz“, ein „Verlassenwerden-Schmerz“, ein Schmerz, der aus dem sich-Wehren gegen das neu aufgezwungene Leben resultiert.  Trauer berührt so viele verschiedene Bereiche: Angst, Wut, Verzweiflung, Geborgenheit, Geliebt-sein, lieben können, Vertrauen. Oder das Fehlen eben dieser.

Die Zukunft, die nicht mehr sein wird

Wir müssen gleichzeitig eine gemeinsame Zukunft aufgeben. Der gemeinsam geplante Lebensweg, der 1. Schultag, der gemeinsame Urlaub, das neue Haus, all das werden wir nicht mehr mit dem Verstorbenen erleben. Wir müssen also auch ein Stück weit unsere Pläne aufgeben, unser Leben ändern, neu ausrichten. Ungewollt.

Wir müssen gleichzeitig ein Stück unseres eigenen Lebens aufgeben, einen Plan, einen Wunsch, der nun nicht mehr umsetzbar sein wird, weil jemand fehlt.

Wir trauern also nicht nur um den Verlust des Lebens einer geliebten Person, wir trauern um das, was nicht mehr sein wird. Das Leben, das nicht mehr passieren wird, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Das ähnelt meiner Meinung nach auch ein wenig dem Altern: Stück für Stück geben wir Träume auf, weil wir wissen, dass wir sie in diesem Leben nicht mehr erreichen werden. Oder dass wir nicht mehr in der Lage dazu sind, sie umzusetzen.


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Verlorenes Vertrauen

Wir verlieren in der Trauer vielleicht auch das Vertrauen. Ins Leben. An das Göttliche. Wir fragen, warum das Leben so unfair ist, warum ein Gott es erlaubt, dass uns diese geliebte Person genommen wird. Zu früh, zu brutal, mit zu viel Leid. Wir zweifeln an unseren Werten, wir verhandeln mit dem Göttlichen und fragen, warum er/sie? Warum wir? Unsere Werte werden in Frage gestellt und das erschüttert uns zutiefst.

Trauer kann das gesamte Leben umkrempeln, im Innen und im Außen. Das macht sie so schwer und so schmerzhaft. Weil sie immer ungewollt ist. Weil manchmal ein Teil von uns mit dem Verstorbenen mitgeht. Dieser Teil fehlt uns.

Trauer sollte nie einsam sein

Dieses Gefühl ist jedoch etwas, dass wir alle teilen, früher oder später. Jeder von uns hat oder wird in diesem Leben etwas verloren/verlieren. Jemanden. Eltern, Großeltern, vielleicht Geschwister, Freunde, einen Partner oder gar ein Kind. Am Ende verlieren wir sogar unser eigenes Leben, wie wir es zumindest in dieser Weise kennen. Wir trauern also irgendwann auch um uns selbst.

Aber eben weil jeder dieses Gefühl einmal erlebt hat (oder erleben wird) sollten wir es teilen. Einander zuhören, füreinander da sein, darüber reden, es nicht verstecken, nicht denken, dass wir alleine damit klarkommen müssen, dass es nur uns alleine so dermaßen schlecht geht.

Gemeinsam erlebte Gefühle verbinden. Andere Trauernde verstehen uns, wir müssen nicht viel erklären, wir gehen durch etwas sehr ähnliches, erleben ähnliche Situationen und Gedanken: Das Planen einer Beerdigung, das Auflösen einer Wohnung, eines Zimmers, die Frage nach dem „Wie lange darf/sollte ich trauern?“, die Suche nach dem Sinn, die Angst vor der Zukunft, die Auf und Abs in der Trauer, die vielen verschiedenen Gefühle, die Frage nach dem „Wie feiern das 1. Weihnachten, den 1. Geburtstag, den 1. Todestag?“

Trauer ist Liebe, die im Raum kreist ohne einen Zufluchtsort. Es geht darum, sich einen neuen Ort zu schaffen, im Herzen.

Inspiriert durch eine Frage in der Facebook Gruppe für Trauernde „Was bleibt, ist Deine Liebe“.

Alexandra
info@leid-und-freud.de