Warum konnten wir Dich nicht halten?
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Warum konnten wir Dich nicht halten?

Warum konnten wir Dich nicht halten?

Ich habe in unserer Facebook Gruppe „Was bleibt, ist Deine Liebe“ gefragt, welche Frage die Mitglieder ihrer Trauer am liebsten stellen würden. Eine Teilnehmerin fragte „Warum konnten wir Dich nicht halten?“. Es geht dabei um einen Menschen, der sich entschieden hat freiwillig aus dem Leben zu gehen.

Das „Warum?“

Wenn jemand sich entscheidet sein Leben zu beenden (ob nun gewaltsam oder durch die Ablehnung von Medikation/Therapie), dann ist das für alle Betroffenen auch immer eine Art „Zurückweisung“. Ein Schlag ins Gesicht. Irgendwie fragen wir uns dann „Warum will er/sie nicht mehr am Leben mit uns teilhaben? Was stimmt mit uns nicht? Was stimmt mit dem Leben nicht?“
Sein eigenes Leben zu beenden ist gegen das Gesetz der Natur. Teilen wir doch alle den Willen zum Überleben. Wie also kann es sein, dass jemand den wir lieben, nicht mehr leben will?

Eine solche Entscheidung stellt alles in Frage. Nicht nur die Beziehung, die wir zum Verstorben haben oder hatten, sondern auch was wir vielleicht falsch gemacht haben. Was wir hätten anders machen sollen oder können. Es stellt auch unsere Glaubenssätze in Frage. Gehören wir bspw. einer Religion an, so ist der Freitod, der Suizid gar eine Sünde. Wie können wir das mit unserem Weiterleben vereinbaren? Können wir das überhaupt?

Die Schuldfrage

…oder die Frage der Verantwortung. Was hätten wir tun können? Warum konnten wir nicht…? Was habe ich falsch gemacht, zu spät gesehen, nicht verstanden?
Wir suchen nach Informationen, die wir anscheinend übersehen haben. Warum haben wir nicht gemerkt wie schlecht es ihm/ihr ging? Wir versuchen ein Puzzle-Teil zu finden, durch das wir verstehen können. Aber dieses Puzzle-Teil gibt es meist nicht. Gerade bei einem Suizid sind selten Menschen anwesend, die erklären können was passiert ist. Vieles bleibt im Unklaren, vieles im Dunkeln. Und genau da hinein passen unsere Schuldfragen. Wenn wir doch nur alles wüssten.

Die Schuld kann aber auch eine ganz andere Rolle einnehmen: Die der Verbindung. Wenn die Schuld weg wäre, wäre da vielleicht nichts mehr. Vielleicht wäre dann auch der Verstorbene einfach weg. Dann müssten wir akzeptieren was passiert ist, obwohl es nicht mit unseren Glaubenssätzen und Instinkten überein passt.
Es ist als müsste man zwei Welten miteinander vereinen, weil man gleichzeitig in beiden lebt. Beide Seiten sind Realität. Der geliebte Mensch ist nicht mehr da, gleichzeitig kann es doch nicht sein, dass er sich freiwillig dazu entschieden hat.

Die Schuldfrage kann (muss nicht) die Verbindung dieser beiden Welten einnehmen. Wie eine Art Ventil, durch die wir das Unfassbare, das nicht-Akzeptierbare greifen können.

Ohnmacht und ausgeliefert sein

Durch Schuld und das Gefühl, die Situation nicht verhindert haben zu können, fühlen wir uns ohnmächtig, hilflos und ausgeliefert. Wir sind verwundet. Die Fragen nach dem „Warum?“ drehen sich im Kopf, aber es gibt keine Antwort.

Was wir uns wünschen, ist jedoch die Bindung und die Liebe zum Verstorbenen aufrecht zu erhalten. Und in manchen Fällen ist das Aufrechterhalten der Bindung durch die Schuld gewährleistet.

Wenn wir uns erlauben können unseren Fokus von der Schuld, von dem Unfassbaren wegzulenken, auf das was war, auf schöne Erinnerungen und die Verbundenheit, die wir mit dem Verstorbenen gefühlt haben, dann kann es möglich sein den Schuldkreislauf zu durchbrechen.

Oftmals werten wir auch all das Positive ab, das wir in unserem Leben mit dem Verstorbenen gehabt haben. Gerade durch einen freiwilligen Tod fühlt es sich manchmal so an, als war dem Verstorbenen all das nicht wert genug weiterzuleben.

Es war aber da, wir waren verbunden, es gab schöne Zeiten, Lustiges, Zeiten in denen wir uns geneckt haben, uns unterstützt, in denen wir uns geliebt haben, miteinander gefeiert haben. All das ist durch die Todesursache nicht verloren gegangen.
Es gilt die Verbindung mit dem Verstorbenen wieder zu finden. Nicht als der, der sich entschieden hat freiwillig zu gehen, sondern als der, der er immer war.

Ich empfehle hierzu die Bücher von Chris Paul.

Alexandra
info@leid-und-freud.de