Warum es wichtig ist, über den Tod zu reden
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Warum es wichtig ist, über den Tod zu reden

Warum es wichtig ist, über den Tod zu reden

Ich habe ein Interview mit Iris Willecke geführt. Sie hat den Memento Tag ins Leben gerufen, der am 8.8.2019 dazu inspiriert, offener mit den Themen Tod und Sterben umzugehen.

 

Liebe Iris, wie bist Du überhaupt zu den Themen Tod, Sterben und Trauerbegleitung gekommen?

Ich bin gelernte Krankenschwester und habe viel auf onkologischen Stationen und später auch 2 Jahre im Hospiz gearbeitet. Tod und Sterben gehörten daher von Anfang an zu meinem beruflichen Alltag. Als ich 21 war, hat der Tod dann auch Einzug in mein Privatleben gehalten, denn da ist mein Verlobter tödlich verunglückt.

Viele Jahre später habe ich den Befähigungskurs zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung absolviert und danach auch ein paar Jahre bei einem amb. Hospizdienst ehrenamtliche gearbeitet.

Zur Trauerbegleitung bin ich eher zufällig gestoßen, – wobei es für mich ja eigentlich gar keine Zufälle gibt. Ich hatte in der Zeitung einen Hinweis auf einen Einführungskurs ins Thema gelesen und irgendwie passte es für mich von den Terminen sehr gut, sodass ich mich spontan angemeldet habe. Und was soll ich sagen, seitdem hat mich das Thema gefesselt und bis heute nicht mehr losgelassen. Ich habe dann noch viele weitere, auch wesentlich umfangreichere Fortbildungen rund ums Thema Trauerbegleitung besucht, darunter natürlich auch die große Basisqualifikation nach BVT Standards.

Mittlerweile bin ich auch Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeite seit 6 Jahren als selbstständige Trauerbegleiterin in Sundern im Sauerland. Ich liebe es nach wie vor sehr und möchte nichts anderes mehr machen.

Wie beeinflusst Dich das Wissen um die eigene Sterblichkeit in Deinem Leben und Alltag?

Es lässt mich bewusster leben und nicht mehr alles immer auf die „lange Bank  schieben“. Manchmal hilft es mir auch, Dinge entspannter zu sehen.

Woher kommt die Idee für den Memento Tag?

Es ist schon einige Jahre her, da habe ich im Internet mal ein Foto von einem Plakat an einer Bushaltestelle in Australien gesehen. Es stand übersetzt in etwa folgendes drauf: Reden über den Tod ist nicht morbide, kein Tabu und nicht verrückt, sondern ein Teil des Lebens. Das Plakat stammte von der Initiative, die den Dying To Know Day am 8.8. in Australien ins Leben gerufen hat.

Ich fand die Idee eines solchen Tages sofort super und habe daraufhin das Bild bei mir auf der Facebookseite geteilt. Ein Jahr später habe ich dann dort wieder den australischen Tag vorgestellt und mein Bedauern geäußert, dass es bei uns bisher nichts ähnliches gibt. Wieder ein Jahr später wollte ich dann rausfinden, ob es evtl. noch viel mehr Befürworter gibt, mit denen es dann gelingen kann, einen solchen Tag zu initiieren, denn mir war klar, dass ich ein solches Projekt unmöglich alleine ins Leben rufen kann. Also habe ich in 2017 eine Facebook-Projektgruppe gegründet. Über die Zeit hat diese nun mittlerweile mehr als 100 Mitglieder.
Innerhalb der Gruppe wurden dann alle wichtigen Dinge abgeklärt und Aufgaben verteilt. Nun freue ich mich riesig, dass wir in diesem Jahr den ersten Memento Tag in Deutschland ausrufen!

Was ist Deine Vision, welchen Traum verfolgst Du mit dem Memento Tag?

Ich erlebe es in meinen Begleitungen häufig, dass Hinterbliebene vor riesengroße Herausforderungen gestellt werden, die mit entsprechender Notfallvorsorge, also z.B. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament, manchmal auch schon bloßen Gesprächen innerhalb der Familie vermeidbar gewesen wären. Das macht mich jedes mal betroffen. Genauso höre ich sehr oft, dass schöne Dinge immer auf später verschoben wurden, also z.B. „wenn wir beiden in Rente sind, dann…“. Viel zu viele erleben das Später aber gar nicht mehr.

Wenn der Memento Tag Menschen anregt, sich diese Dinge mal bewusst zu machen, ist schon viel erreicht.

Ich glaube fest daran, dass wir gut daran tun, die Themen Tod, Sterben und auch Trauer wieder mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein zu holen und es dringend Zeit ist, die Verdrängung dieser vermeintlich negativen Themen aufzugeben.

Die Beschäftigung mit der Endlichkeit kann zu einem erfüllteren Leben führen und sie kann vor allem auch helfen, unnötige Ängste diesbezüglich abzubauen.

Welche Aktionen gibt es schon?

Was mich erfreut ist die Vielfalt der bisher geplanten Veranstaltungen. Es wird z.B. einen Malabend geben, einen Begegnungsvormittag im Wald, eine Lesung mit Musik und „Raum für Tod und Kekse“. Für unser 1. Jahr sind wir schon gut dabei, es darf natürlich noch mehr werden. In Australien sind dieses Jahr bspw. 580 Aktionen geplant.

Kann man Euch unterstützen?

Oh ja, das kann man, in dem man beispielsweise hilft, den Tag bekannt zu machen. Jedes darüber Erzählen, jeder Hinweis in sozialen Medien, jede verteilte Postkarte usw. hilft.

Ganz besonders freuen wir uns natürlich auch über jede noch so kleine Aktion, die anlässlich des Memento Tags stattfindet. Wer was plant, kann uns seine Veranstaltung über unsere Homepage www.mementotag.de mitteilen.

Und  natürlich ist auch jeder herzlich in unsere Projektgruppe eingeladen.

Mehr zum Memento Tag gibt es auch auf Facebook und Instagram.

Alexandra
info@leid-und-freud.de