Trauer und Freundschaft
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Trauer und Freundschaft

Trauer und Freundschaft

Dieser Artikel ist auch erschienen als Gastbeitrag in www.notanotherwomanmag.com.

Immer wieder berichten mir Menschen in Trauer, dass sich Freundschaften während der Trauerzeit verändert haben. Oder sich der Freundeskreis halbiert hat. Oder dass die Menschen, von denen sie die meiste Unterstützung erhofft hatten sich nicht mehr gemeldet haben.

Woran liegt das und wie geht man damit um?

Generell gilt für alle Veränderungen im Leben, dass sie eine Entwicklung mit sich bringen. Wir lernen etwas Neues dazu, wir haben auf einmal andere Gefühle als vorher oder beschäftigen uns mit anderen Themen. Weil wir es müssen oder weil wir es wollen.

Was das Thema Trauer so schwierig macht ist, dass es uns alle etwas angeht

Es erinnert den anderen  wahrscheinlich

  • an einen eigenen Verlust, der sehr schmerzlich war
  • an einen unverarbeiteten Verlust und das Auseinandersetzen damit würde die eigenen verdrängten Gefühle hochbringen
  • an die eigene Endlichkeit, den eigenen Tod
  • daran, dass er keine Lösung für Dich hat und nichts sagen oder tun kann um Deinen Verlust rückgängig zu machen

Ein Beispiel: Mein Vater hatte damals einen Schlaganfall, der ihn so lähmte und in Mitleidenschaft zog, dass er sechs Monate später verstarb. Einige wenige Jahre später hatte die Mutter eine Freundin ebenfalls einen Schlaganfall. Meine Freundin fühlte sich von mir nicht ausreichend unterstützt und sagte mir irgendwann „Gerade Du weisst doch, wie sich das anfühlt“.
Kommunikation at its best! Not.
Ich war zutiefst gekränkt, denn dass sie unser Leid und unsere Erfahrung so verglich war für mich unmöglich. Ihre Mutter war nach ein paar Tagen wieder Zuhause, mein Vater auf dem Friedhof. Und wir keine Freunde mehr.
Natürlich war es ein Hilferuf von ihr, den ich aber aufgrund meiner eigenen Emotionen damals nicht hören konnte.

Wie geht man damit um?

Wenn sich jemand von Dir zurückzieht, dann kannst Du einfach fragen warum. Wenn Du eine ehrliche Antwort bekommst, bspw „Ich weiss nicht, was ich Dir sagen oder wie ich Dir helfen kann“, dann kannst Du einfach sagen wie Du Dir Unterstützung wünschst. Vielleicht reicht es Dir, dass Ihr zusammen einen Spaziergang macht oder mal wieder euren Lieblingsfilm schaut… Dem anderen wird so der Druck genommen etwas leisten zu müssen, was nicht möglich ist.

Es wird Menschen geben, die mit Gefühlsthemen nicht gut umgehen können oder wollen. Dann ist das auch ok. Hier darfst Du respektieren, dass sie nicht in der Lage sind gerade bei Dir zu sein. Ich weiss, das schmerzt, aber genauso wird es Menschen geben, die vielleicht vorher nicht auf Deinem Radar waren, die aber genau wissen wie sie Dich unterstützen können.

Wichtig ist, dass Du Unterstützung bekommst wie sie wertvoll für Dich ist und das muss für beide Seiten passen. Konzentriere Dich daher auf die Menschen, die da sind und da sein wollen.

Das ist nicht böse oder wertend gemeint. Jeder darf für sich sorgen. Und wenn ich über meine Grenzen gehen müsste, um jemanden mit etwas zu unterstützen mit dem ich selbst nicht klarkomme, dann darf ich das sagen und meine Grenzen wahren. Ich kann nur unterstützen und Hilfe geben, wenn ich gut für mich selbst sorge. Ein Auto ohne Benzin wird mich nirgendwo hinbringen.

Tipps für Menschen in deren Umfeld jemand trauert

Ich stelle immer wieder fest, dass wir nur ganz wenig Vokabeln haben, um Trauer, Mitgefühl auszudrücken. Meistens wollen wir etwas sagen, dass die Gefühle des Trauernden kleiner macht oder sie als „nicht so schlimm“ abtut. Ich habe hier mal Übersetzungen dazu geschrieben. Was ein Mensch in Trauer versteht, wenn wir gut gemeinte Rat-Schläge sagen:

  • „Das wird schon wieder“>> „Stell Dich nicht so an, ein paar Wochen und dann hast Du Dich daran gewöhnt“
  • „Die Zeit heilt alle Wunden“ >> „Das was Du erlebst haben schon viele vor Dir erlebt, bisher hat das noch jeder überstanden, Du musst nur abwarten“
  • „Du bist noch jung“ >> „Du wirst einfach nochmal schwanger.“ „Es gibt noch viele andere Menschen, um Deinen Partner zu ersetzen.“
  • „Ich weiss wie Du Dich fühlst, das ging mir damals auch so als meine Oma gestorben ist“ >> „Ich weiss, was Du brauchst und Deine Trauer ist wie meine.“

Versteh mich nicht falsch, es geht nicht darum, dass Trauernde alles schwarz sehen und Deinen Ratschlag falsch verstehen wollen. Nur sind sie gefühlsmässig in einer ganz anderen Lage als wir selbst. Und natürlich kann Trauer mit der Zeit leichter werden und natürlich kann ein junges Paar erneut versuchen schwanger zu werden oder ein/e junge/r Witwe/r nochmal heiraten. Aber das ist soweit in der Zukunft, dafür ist niemand bereit, wenn er akut trauert.

 


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Was kann ich sagen, wenn jemand trauert?

Hier ein paar Anregungen. Wichtig ist, dass Du ehrlich bist und nicht versuchst etwas herunterzuspielen, weil Du selbst mit Trauer nicht umgehen möchtest:

  • „Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Ich kann mir kaum vorstellen wie es Dir jetzt geht. Komm, ich mache uns einen Kaffee.“
  • „Es tut mir sehr Leid was passiert ist. Möchtest Du darüber reden?“
  • „Gerne höre ich Dir zu, auch, wenn ich nichts dazu sagen kann.“
  • „Ich bin nicht so gut darin über solche Themen zu sprechen, aber ich habe Dir eine Suppe mitgebracht und ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage.“
  • „Ich weiss noch wie ‚der Verstorbene‘ immer Fussball im Garten gespielt hat / laut Musik gehört hat / toll Kuchen gebacken hat / als wir zusammen im Urlaub waren….“ (Teile eine schöne Erinnerung an die verstorbene Person.)

Sag, wenn Du etwas nicht kannst oder nicht tun kannst/möchtest. Sei ehrlich. Wenn Du nicht reden kannst, dann ist das ok. Teile Dich Deiner Umwelt nur mit. Das gilt für alle Seiten.

Was ist mit Jahrestagen, Geburtstagen, Weihnachten?

Oftmals fragen wir uns ja wie wir reagieren sollen, wenn sich bspw. der Tag der Beerdigung zum ersten Mal jährt oder der Verstorbene heute zum ersten Mal Geburtstag hätte. Oder das erste Weihnachten, der erste Muttertag nach dem Tod der Mutter. Ihr seht, es gibt unzählige Tage im Jahr an denen wir uns automatisch wieder stärker mit der Trauer konfrontiert sehen.

Auch hier: Frag!

  • „Nächste Woche wäre Omas 89. Geburtstag. Möchtest Du an diesem Tag etwas besonderes machen?“
  • „In 3 Wochen ist Weihnachten. Wie geht es Dir damit?“
  • „Morgen hätte ‚der Verstorbene‘ Geburtstag, sollen wir gemeinsam zum Grab fahren / in seinem Lieblingsrestaurant essen gehen / für ihn beten / möchtest Du lieber nichts besonderes machen?“

Sprich es an. Übergehe einen offensichtlichen Tag nicht einfach und warte darauf, dass derjenige, der den Verlust erlebt hat weiss, was zu tun ist.
Wir denken vielleicht „Wenn ich es anspreche, kommt alles wieder hoch“. Ja, vielleicht ist das so. Gleichzeitig zeigst Du aber auch Feingefühl dafür, dass der Tag schwieriger als sonst sein könnte, dass Du da bist, dass Du den Verstorbenen respektierst und nicht „vergessen“ hast.

Du hilfst damit auch die Erinnerung lebendig zu halten

Wenn Du noch mehr Hilfe brauchst, dann findest Du weitere Tipps und Anregungen in meinem eBook, das ich extra für Angehörige/Freunde von Trauernden geschrieben habe. Es heisst „Wie man über Trauer redet“.

 

 

Alexandra
info@leid-und-freud.de