10 Dinge, die Du über Trauer wissen solltest
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10 Dinge, die Du über Trauer wissen solltest

10 Dinge, die Du über Trauer wissen solltest

Jemanden zu verlieren ist eine der größten Herausforderungen in unserem Leben. Hier gibt es 10 Dinge, die Du über Trauer wissen solltest:

1) Wenn jemand seine Hilfe anbietet, nimm sie an

Viele werden sagen „Melde Dich, wenn Du was brauchst“. Nicht jeder wird es ernst meinen, aber manche wissen einfach nicht, was sie konkret tun können, um Dir zu helfen. Viele fühlen sich auch hilflos, weil sie Deine Trauer nicht leichter machen können. Direkt zu sagen was man braucht, kann auch für sie erleichternd sein. Die Kinder abholen, den Einkauf machen, mit dem Hund gehen, vielleicht auch mal die Wäsche aufhängen, das alles kann hilfreich sein und Dich erstmal entlasten. Scheue Dich nicht Hilfe anzunehmen oder danach zu fragen.

2) Manche Menschen werden emotionslose Dinge sagen

„Du bist doch noch jung, Du findest jemand Neues“, „Du kannst noch viele Kinder bekommen“, „Immerhin leidet er/sie jetzt nicht mehr“, etc. Viele wissen nicht, was sie sagen sollen oder können. Sie meinen es „aufmunternd“, aber eigentlich sind diese Sätze für einen Trauernden eher verletzend.
Es wäre jetzt einfach zu sagen, dass man so etwas nicht persönlich nehmen soll, aber das wird die meiste Zeit nicht gehen. Viele Menschen heutzutage haben sich noch nie mit dem Tod auseinandergesetzt oder auseinandersetzen müssen. Für sie ist das alles neu bzw. kennen sie oft nur Floskeln, die sie irgendwo aufgeschnappt haben.

Wenn jemand immer wieder mit solchen Weisheiten um die Ecke kommt, ist es jedoch ratsam zu überlegen, ob wir der Person -erstmal oder langfristig- aus dem Weg gehen. Wenn Du Deine Grenze wieder und wieder überschritten siehst, dann zieh sie und schütze Dich vor solchen emotionslosen „Trostphrasen“.

3) Trauer hat kein Enddatum

Das ist die schlechte Nachricht. Sie wird niemals komplett weg sein und Dein Leben ohne den Verstorbenen wird niemals mehr so sein wie vorher. Aber wir gewöhnen uns an sie, sie wird leichter, sie transformiert sich irgendwann in Liebe und Erinnerungen. Es wird immer wieder Wellen geben, die Dich überfluten und vielleicht auch mal für eine gewisse Zeit „lahm legen“, aber das Leben wird wieder fröhliche Momente haben. Lass Dir also von niemandem einreden, dass Du nach drei, sechs oder 12 Monaten mit der Trauer fertig sein solltest. Oder dass Du nach drei Monaten noch nicht fröhlich sein darfst. Trauer ist so individuell wie wir alle. Der eine braucht länger, der andere weint, der nächste wird still, der übernächste fühlt sich nach sechs Monaten wieder fit. Alles das ist richtig. Du wirst wissen, was Du wann brauchst.

4) Große Ereignisse im Leben werden für immer einen bittersüßen Beigeschmack haben

Mein Vater starb eine Woche nach der Hochzeit meiner besten Freundin. Als ich als Trauzeugin auf ihrer Hochzeit war und ihr Vater eine wundervolle Rede hielt, hatte ich Tränen in den Augen. Denn ich wusste bereits, dass mein Vater dies niemals mehr für mich tun könnte. Letztes Jahr hat mein Cousin geheiratet und es gab einen kurzen Moment der Stille für all die, die nicht mehr dabei sein konnten. So traurig es auch war, so schön war es gleichzeitig, denn dadurch dass wir diesen Menschen gedacht haben, waren sie eben doch dabei.
Mein Cousin hat gleichzeitig seine „Bräutigam-Rede“ dazu genutzt seinem Vater zu danken für all das, was er für ihn getan hat. Seine Mutter starb, als er noch ein Teenager war und seitdem hat sein Vater ihn alleine großgezogen. Ich glaube jeder der Gäste hat in diesem Moment geweint, aber es war nicht nur Trauer um meine verstorbene Tante, sondern auch Freude, Dankbarkeit und vor allem Größe von meinem Cousin, der die Rede kaum rausbrachte vor lauter Tränen, und von meinem Onkel, der alles dafür getan hat, dass es seinem Sohn gut geht.

Egal welchen Moment Du ohne eine geliebte Person feiern musst, es wird immer ein weinendes und ein lachendes Auge dabei sein ab jetzt.

5) Wut ist ein ganz normaler Aspekt von Trauer

Wir stellen uns Trauernde immer traurig vor. Weinend, still, vielleicht schluchzend, erschöpft… Trauer besteht aber aus vielen verschiedenen Gefühlen. Da mag es Dankbarkeit geben, Resignation, Freude, Wut… Alles das ist normal.

Finde einen Weg die Wut rauszulassen. Sport, ein Spaziergang im Wald, in ein Kissen boxen, schreien… Lass das Gefühl zu, bewerte es nicht. Egal auf wen oder worauf Du wütend bist, lass es raus. Du kannst darüber schreiben, es jemandem erzählen, der es tragen kann. Lass Dir nicht einreden, dass Du nicht wütend sein darfst.

6) Trauer kann durch die kleinsten Dinge ausgelöst werden

Vielleicht der Geruch des Lieblingsessens in einem Restaurant, ein Lied, ein Wort, eine Farbe… Egal wo Du Dich befindest, es kann überall den noch so kleinsten „Trigger“ (Auslöser) geben, der Dich an etwas über den Verstorbenen erinnert oder Dich komplett in Deine Trauer katapultiert. An den unmöglichsten Orten zu den unmöglichsten Zeiten. Auch wenn es Dir vorher sehr gut ging.

Es mag schwierig sein die aufkommenden Gefühle dann sofort zuzulassen, hängt ja auch von der Situation ab in der Du gerade bist. Aber generell ist es immer wichtig alles zuzulassen, was kommt. Vielleicht kannst Du kurz rausgehen, zur Toilette, ins Auto, nach Hause, was auch immer. Versuche Dir einen Raum zu schaffen, an dem Du ungestört sein kannst. Vielleicht kannst Du auch eine Person einweihen, der Du vertraust. Oder jemand kann Dich abholen und Dich sicher nach Hause bringen.

7) Professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bedeutet nicht, dass Du schwach bist

Trauer ist doch etwas ganz normales. Ja, das ist sie. Aber trotzdem bist Du vielleicht so in einer Denkspirale gefangen oder aus Deinem eigenen Leben gerissen, dass es Dir schwer fällt den normalen Alltag zu meistern. Oder die Trauer hält so lange an, dass Du Dich selbst fragst, ob Du alleine damit klarkommst. Es gibt mittlerweile sehr viele Angebote, ob eine Trauergruppe, Seelsorge, Angebote im Hospiz oder von Trauerbegleitern oder eine Therapie, alles ist möglich und hilfreich. Es kann auch einfach schon tröstlich sein mit Menschen zu sprechen, die auch jemanden betrauern oder die professionell damit zu tun haben und nicht vor den Gefühlen oder Fragen zurückschrecken, die ein Verlust mit sich bringt.

Trauer kann sich manifestieren wie eine Depression. Oder vielleicht bist Du eh schon mit Depressionen in Berührung gekommen. Dann ist es absolut kein Zeichen von Schwäche einen Arzt aufzusuchen und sich Hilfe zu holen. Im Gegenteil, Du achtest auf Dich, Du unternimmst etwas, damit es Dir wieder besser geht. Das ist Selbstliebe und Selbstwertschätzung.

8) Feiertage, Geburtstage, Jahrestage brauchen neue Rituale

Der erste Geburtstag ohne den Verstorbenen. Oder das erste Jahr, an dem der Verstorbene seinen eigenen Geburtstag nicht mehr erlebt. Weihnachten, Ostern… All die Festtage, die wir gemeinsam verbracht haben sind nun auch automatisch verändert. Jemand fehlt. Vielleicht ist es Deine Mutter, die nun nicht mehr den Braten macht. Oder der Opa, der den Weihnachtsbaum aufgebaut hat.

Diese Festtage brauchen neue Rituale und Abläufe. Ihr könnt gemeinsam ans Grab gehen, an Weihnachten einen Zweig Eures Weihnachtsbaumes zum Friedhof bringen (oder an einen wichtigen Ort der in Verbindung mit dem Verstorbenen steht).
Vielleicht ist Euch aber auch gar nicht nach feiern. Vielleicht wollt Ihr Weihnachten am liebsten wegradieren in diesem Jahr. Auch das ist ok. Vielleicht wäre es Euch lieber zu verreisen oder einfach nicht zu feiern. Gestaltet die ersten Feiertage wie es sich für Euch gut anfühlt.

Ich habe einige Trauernde erlebt, die sagten „Mutti ist nicht mehr da, jetzt muss ich den Braten machen“. Dabei wollten sie es gar nicht oder fühlten sich nicht gewachsen den Braten genauso gut machen zu können wie die Mutter sonst immer. Lass Dich nicht in Rollen und Verantwortungen zwängen, wenn es Dir in Deiner eigenen Trauer zu viel ist.

9) Die eigene Endlichkeit begreifen

In einem meiner Trauerseminare sagte eine junge Trauernde „Wie kriege ich es hin nicht an der Vergänglichkeit zu verzweifeln? Wenn nichts bleibt, was ist dann noch wichtig?“
Ich drehe diese Frage um: „Wenn nichts bleibt, was ist dann wichtig?“ Wenn wir nichts mitnehmen können, kein Geld, keine Kleidung, nicht unseren schönen Körper, was ist dann wirklich wichtig im Leben? Zufriedenheit? Glück? Liebe?

Oftmals zeigt uns die eigene Vergänglichkeit erst, dass wir viele Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen. Oder die uns eigentlich gar keinen Spaß machen. Dann erst haben wir die Möglichkeit wirklich zu begreifen, was uns wichtig ist. Und dann sollten wir verstehen, dass wir nicht ewig Zeit haben unsere Träume aufzuschieben.

10) Erinnerungen schaffen

Ob es ein kleiner Altar oder Schrein ist, eine Box unter dem Bett, das schön eingerahmte Foto auf der Fensterbank, oder die Jacke, die immer noch am Stuhl hängt. Schaffe Dir Erinnerungsinseln. Auch hierfür wird es die passende Zeit geben.

Ich kann bis heute kaum Fotos von meiner Oma und meinem Vater ansehen, aber ich habe viele Dinge und Gegenstände, die mich an sie erinnern. Eine alte Sammelmappe aus der Ausbildungszeit meines Vaters, die Kuchenteller meiner Oma. Das alles erinnert mich an Situationen, die ich mit ihnen erlebt habe. Ein Foto würde mich nur daran erinnern, dass sie nicht mehr da sind. Aber das ist mein persönliches Empfinden. Suche Dir etwas, dass Dich freudig stimmt, wenn Du es ansiehst. Oder etwas, das Dir Kraft gibt. Ein Schmuckstück, das Du tragen kannst. Ganz gleich was es ist, es ist in Ordnung sich Erinnerungen zu schaffen.

Gibt es noch etwas, das Trauernde wissen sollten?

Inspiriert durch www.passages.life

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Alexandra
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